• Andreas Haas

Alarm: „Ich hör nichts mehr!“


Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit



Eine arbeitsbedingte Erkrankung durch Lärm entsteht viel öfter als man sich vielleicht vorstellen mag. So zählt Lärmschwerhörigkeit laut einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu den häufigsten Berufskrankheiten. Wie schädlich kann Lärm am Arbeitsplatz sein? Welche Pflichten hat der Arbeitgeber? Welche Lärmschutzmaßnahmen sind wirkungsvoll?

Antworten darauf gibt Andreas Haas. Er ist seit elf Jahren in der Arbeitsschutz-Branche tätig und Projektleiter für das HUMAN SYSTEM Arbeitsschutz-Navi.

Herr Haas, wie schädlich kann Lärm am Arbeitsplatz sein?

Auch wenn jeder Mensch Lärm unterschiedlich empfindet, lassen sich Geräusche nicht immer ausblenden. Stundenlanger Lärm am Arbeitsplatz führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, die den Körper in einen Ausnahmezustand versetzen. Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schwerhörigkeit oder Tinnitus können Folgen sein.

Dies alles wirkt sich auch auf den Erfolg des Unternehmens aus: Ein schlechtes Betriebsklima durch gereizte Mitarbeiter, sinkende Produktivität aufgrund fehlender Motivation, erhöhte Unfallgefahr durch Unkonzentriertheit sowie im schlimmsten Fall lange Krankheitsausfälle. Um dies zu vermeiden, empfehle ich Arbeitgebern alle Lärmquellen zu prüfen, sich die Stimmung in der Belegschaft anzuschauen und Lärmschutzmaßnahmen einzuleiten.

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber?

Die Arbeitgeberpflichten zum Schutz der Beschäftigten bei der Arbeit sind in der Lärm- und Vibrations- Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) gesetzlich geregelt. Sie gibt zwei Werte vor:

Bei einer Lautstärke von 80 Dezibel, was ungefähr mit dem Krach eines Streitgesprächs oder eines Klavierspiels zu vergleichen ist, muss der Arbeitgeber nach § 8 den Beschäftigten einen geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen.

Stark erhöht ist der Lärm ab einer Lautstärke von 85 Dezibel - vergleichbar mit dem Lärm an einer Hauptverkehrsstraße oder eines Rasenmähers. Ist diese Grenze erreicht, muss der Arbeitgeber darüber hinaus Lärmschutzmaßnahmen sicherstellen.

Welche Lärmschutzmaßnahmen sind wirkungsvoll?

Grundsätzlich gibt es für alle Arbeitsplätze Möglichkeiten um Lärm zu reduzieren. Zum Beispiel:

  • Technische Maßnahmen sind zu bevorzugen. Dies können Abschottungen oder Einhausungen sein oder lärmmindernde Einbauten an Decken.

  • Bessere Organisation lauter Tätigkeiten: Arbeiten auf wenig belegte Schichten verschieben, laute Maschinen kürzer laufen lassen, regelmäßiger Wechsel zwischen lärmintensiven und leiseren Tätigkeiten.

  • Einrichten von Ruheräumen für die Mitarbeiter. Für Lärmpausen sorgen.

  • Konsequente Umsetzung der Vorsorgemaßnahmen nach der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung (ArbMedVV).

Die technischen Schutzmaßnahmen sind in Teil 3 der Technischen Regel zur Lärm-und Vibrationsschutzverordnung (TRLV) geregelt. Hier empfiehlt sich:

  • Einsetzen möglichst geräuscharmer Arbeitsmittel und Maschinen sowie Anwenden leiserer Arbeitsverfahren. Laute Geräte, z.B. Drucker, in separaten Räumen unterbringen.

  • Verwenden von Schalldämpfern, Abschirmungen und Kapselungen für Maschinen.

  • Maschinen regelmäßig warten lassen, um Lärm durch Beschädigung zu minimieren.

  • Optimieren der Raumakustik in Büros, Hallen oder Lagern durch schallabsorbierende Decken, Wände oder Fußböden sowie durch lärmmindernde Trennwände.

Fazit: Arbeitnehmer sollten ab erhöhten Lautstärkewerten auf ihren Ohrenschutz und vorzugsweise auch auf eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung bestehen. Persönlicher Lärmschutz, also Gehörschutz-PSA für Beschäftigte, sollte das letzte Mittel der Wahl sein.

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