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Arbeiten in Zeiten von Corona: Homeoffice wird immer bedeutender


Homeoffice oder Mobiles Arbeiten: Welche rechtlichen Aspekte sind zu beachten?



Die aktuelle Corona-Krise hat maßgeblichen Einfluss auch auf die Arbeitswelt. Zum Schutz der Mitarbeiter, und um die Ausbreitung des Virus so gering wie möglich zu halten, schicken zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Laut einer aktuellen Umfrage von YouGov arbeitet derzeit jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland von zu Hause. Was viele nicht wissen: Für den Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden gibt es gesetzliche Vorschriften.


Andreas Haas ist seit zehn Jahren in der Arbeitsschutz-Branche tätig und Projektleiter für das Human System Arbeitsschutz-Navi. Er informiert über den Unterschied zwischen Homeoffice und Mobiles Arbeiten sowie über rechtliche Aspekte, die zu beachten sind.


Herr Haas, Arbeiten im Homeoffice ist ein sehr aktuelles Thema. Macht es einen Unterschied ob ich am Schreibtisch zu Hause sitze oder ich mit dem Laptop von meinem Lieblingsplatz außerhalb des Büros arbeite? Das „Homeoffice“ ist ein fest installierter Arbeitsplatz zu Hause. Die Rahmenbedingungen dazu sind gesetzlich geregelt im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Der Arbeitgeber stellt die Ausrüstung wie Computer und eventuell sogar das Mobiliar. Er muss prüfen, ob das Homeoffice den arbeitsschutzrechtlichen Standards entspricht, beispielsweise im Hinblick auf die Beleuchtung oder einen ergonomisch ausgerichteten Arbeitsplatz. Der Arbeitnehmer muss an diesem Arbeitsplatz arbeiten und auch erreichbar sein. In Zeiten von Laptops und Smartphones arbeiten viele zunehmend auch mobil, d.h. von einem Platz ihrer Wahl. „Mobiles Arbeiten“ bedeutet, dass es lediglich einen Arbeitsauftrag gibt. Wo und wann dieser erfüllt wird ist egal. Da kann auch der heimische Garten zum Büro werden.

Muss der Arbeitnehmer permanent erreichbar sein? Nein, keinesfalls. Der Arbeitgeber hat kein Recht die Beschäftigten permanent zu erreichen. Relevant sind die im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung vereinbarten Zeiten. Bei mobiler Arbeit oder Homeoffice ist es sinnvoll die Zeiten der persönlichen Erreichbarkeit an die üblichen Arbeitszeiten der jeweiligen Abteilung anzupassen.

Gibt es auch für Mobiles Arbeiten ein Arbeitsschutzgesetz? Grundsätzlich gilt auch hier der gesetzliche Arbeitsschutz. Da der Arbeitnehmer der Kontrolle des Arbeitgebers jedoch weitestgehend entzogen ist, kann das mobile Arbeiten gewisse Gefahren bedeuten: Wer stundenlang auf der Couch vor einem kleinen Tablet kauert, kann Fehlhaltungen entwickeln. Zudem wird oft sehr viel länger gearbeitet. Der Chef sollte daher die Mitarbeiter auf solche Gefahren und auf die Einhaltung der Arbeitszeiten hinweisen. Im Gegensatz zum Homeoffice gibt es beim Mobilen Arbeiten keine definierten Anwesenheits- und Erreichbarkeitszeiten. Es gilt das Arbeitszeitgesetz, wonach werktags in der Regel nicht mehr als acht Stunden gearbeitet werden darf und dazwischen eine Ruhezeit von elf Stunden einzuhalten ist.

Sind die Beschäftigten unfallversichert? Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Laut Bundessozialgericht besteht zum Beispiel kein Versicherungsschutz, wenn der Arbeitnehmer sich in der Küche etwas zu trinken holt und dabei stürzt (5.7.2016, B 2 U 5/15 R). Denn es handelt sich bei der Nahrungsaufnahme nicht um eine versicherte berufsbezogene Tätigkeit, sondern um ein „eigenwirtschaftliches Interesse“. Passiert etwas, wenn sich der Arbeitnehmer eine Druckerpatrone holt, handelt es sich hingegen um eine dienstliche Tätigkeit und damit um einen versicherten Arbeitsunfall. Wichtig zu wissen: Da es für Beschäftigte, die von zuhause arbeiten, keinen dienstlichen Grund gibt den Arbeitsplatz zu verlassen, sind Wegeunfälle von der Versicherung ausgeschlossen.

Für weitere Fragen und Anregungen senden Sie uns bitte eine E-Mail an: info@arbeitsschutz-navi.de. Wir freuen uns darauf.


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